26.03.2025
Erster „Fachtag Autismus“ im Hohberghaus

Möglichkeiten und Grenzen der Beschulung von Kindern und Jugendlichen aus dem Autismus-Spektrum
Unter dem Titel „Einfach KlASse?! Möglichkeiten und Grenzen der Beschulung von Kindern und Jugendlichen aus dem Autismus-Spektrum“ fand am Mittwoch, 26.03.2025, unter großem öffentlichen Interesse der erste Autismus-Fachtag im Hohberghaus Bretten statt. Neben einem Vortrag der deutschlandweit bekannten Expertin Dr. Anne Häußler zum TEACCH®-Ansatz, einem ganzheitlichen Konzept zur individuellen Förderung von Menschen im Autismus-Spektrum, bot der Fachtag Vorträge und Workshops zu vielfältigen relevanten Themen sowie die Möglichkeit zu Austausch und Vernetzung.
Gut 100 Teilnehmende waren ins Hohberghaus, die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung des Badischen Landesvereins (BLV), gekommen – und es wären gerne noch mehr gekommen, sofern der Platz es zugelassen hätte. „Wir sind wirklich überwältigt von dieser großen Resonanz“, stellte Christoph Röckinger, Einrichtungsleitung des Hohberghauses, bei der Veranstaltung heraus. Das Thema sei im Hohberghaus „eine Herzensangelegenheit“, erläuterte Röckinger in seiner Begrüßungsrede. Bereits seit 2021 besteht beim BLV mit dem Schul- und Betreuungsangebot „Lernstern“ ein eigenes Angebot für Kinder und Jugendliche aus dem Autismus-Spektrum. Aktuell lernen hier zehn Kinder und Jugendliche individuell und genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten in altersgemischten Gruppen – in einer für sie passenden Umgebung, mit gut geschultem Personal, in kleiner Klassengröße und klaren Strukturen und Abläufen. Das Angebot hat sich über die letzten vier Jahre sehr gut etabliert und wird aufgrund der großen Nachfrage ab dem nächsten Schuljahr um eine weitere Klasse erweitert.
„Und gleichzeitig ist die Veranstaltung heute für uns ein Auftakt“, so Einrichtungsleitung Röckinger weiter. Denn: Mit der Fachstelle Autismus hat der BLV sein Angebot für Menschen im Autismus-Spektrum erweitert. Neben dem „Lernstern“ bietet die Fachstelle Autismus nun kompetente Beratung für Schulen, Eltern und Kinder an. Auch Assistenz im Wohn- und Sozialraum in der Stadt Karlsruhe ist seit Februar 2025 Teil des Angebots. Dabei leisten Fachkräfte eine gezielte und individuelle Begleitung im Alltag in den Bereichen Wohnen, Tagesstruktur, Arbeit, Freizeit, soziale Beziehungen und Gesundheit, um individuelle Ressourcen zu stärken und eine möglichst selbstständige Lebensführung ermöglichen. Neben der praktischen Unterstützung sind persönliche Beratung sowie gemeinsame Gespräche Teil des Angebots. Und: Bei Bedarf kann sogar Wohnraum durch den BLV zur Verfügung gestellt werden.
Abwechslungsreiches Programm mit Vorträgen und Workshops
Die fachlichen Vorträge wurden eingeleitet von einem Impulsvortrag von Martina Bahr und Regina Berger, Autismusbeauftragte des Staatlichen Schulamts Pforzheim. Sie stellten die diversen Kooperationspartner*innen und verschiedenen Anlaufstellen im Autismus-Bereich in der Region vor – eine wichtige Orientierungshilfe für Interessierte, die richtige Anlaufstelle zu finden.
Dr. Anne Häußler, im Autismus-Bereich bekannte und angesehene Expertin, referierte anschließend zum TEACHH®-Ansatz als Leitfaden, um Menschen im Autismus-Spektrum zu unterstützen, Informationen besser aufnehmen und leichter lernen zu können. Sie stellte vor, welche Aspekte „autistische Lernstile“ kennzeichnen können, wie beispielsweise eine Stärke im regelbasierten Lernen bei gleichzeitigen Schwierigkeiten im impliziten Lernen oder dem Erwerb sozialer Regeln. Wichtig für Dr. Häußler: Der TEACHH®-Ansatz ist kein starres Konzept oder ein Regelsystem, sondern funktioniert methodenoffen und individuell.

Dr. Anne Häußler hielt einen Vortrag und leitete einen Workshop zum TEACHH®-Ansatz.
Es geht darum, den Menschen und die individuellen Bedarfe zu verstehen.
Dr. Anne Häußler
Expertin im Autismus-Bereich
Wird die Förderung mit dem TEACHH®-Ansatz auf diese Weise eingesetzt, kann langfristig Teilhabe gefördert und kompetentes Handeln im Alltag unterstützt werden.
In den Workshops am Nachmittag konnten die Teilnehmenden verschiedene am Vormittag angerissene Aspekte vertiefen, zum Beispiel zu Nachteilsausgleich und Schulbegleitung als Unterstützungsformen im Schulalltag sowie Strategien nach dem TEACHH®-Ansatz für Unterricht und kritische Situationen. Ebenso fand ein Workshop zum Professionellen Deeskalationsmanagement (ProDema) für Schülerinnen und Schüler im Autismus-Spektrum sowie eine Vorstellung des Angebots „Lernstern“ statt.
Informativ, gut organisiert, gewinnbringend
Ein „informativer, gut organisierter und gewinnbringender Fachtag“ – so lautete das übereinstimmende Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In der abschließenden Zusammenkunft bedankte sich Einrichtungsleitung Christoph Röckinger herzlich bei allen, die zum Gelingen des Fachtags beigetragen hatten; insbesondere bei Fachbereichsleitung Sebastian Schulz, den Referentinnen und Referenten sowie allen Teilnehmenden für das große Interesse, die engagierte Mitarbeit in den Workshops und den tollen Austausch. „Die Vernetzung und der Wille zusammenzuarbeiten ist beim Thema Autismus wirklich ganz besonders“, so Röckinger in seinen Abschlussworten.

Dank und Blumen für die Beteiligten (v.l.n.r.): Christoph Röckinger, Einrichtungsleitung Hohberghaus; Sebastian Schulz, Fachstelle Autismus; Martina Bahr, Regina Berger (Autismusbeauftragte des Staatlichen Schulamts Pforzheim); Winnie Kratzmeier-Fürst, Katrin End (Autismusbeauftragte des Staatlichen Schulamts Karlsruhe); Dr. Anne Häußler; Johannes Emmerich, Deeskalationstrainer und Pädagogischer Fachdienst; Andreas Gerlach, Bereichsleitung ambulante und präventive Hilfen HBH.

Hohberghaus
Pforzheimer Straße 113, 75015 Bretten
Ihre Ansprechperson

Christoph Röckinger
Einrichtungsleitung Hohberghaus



